EDEKA Koch Sportpark

Nicht nur unser Verein, auch unser Stadion am Schloss Strünkede hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Der EDEKA Koch-Sportpark, wie das Stadion aktuell heißt, liegt im Herner Stadtteil Baukau unweit der Autobahn-Auffahrt der A42 und hatte ursprünglich ein Fassungsvermögen von 34.000 Zuschauern, das temporär sogar noch erweitert wurde. Aufgrund der sogenannten Versammlungsstättenverordnung und diverser DFB-Auflagen ist das Stadion derzeit jedoch nur für 4.999 Zuschauer zugelassen.

Der Sportclub Westfalia Herne wurde im Juli 1904 gegründet, doch der Weg zu einem eigenen Stadion, wie wir es heute kennen, war weit. In den Anfangstagen musste sich der Verein mit einer einfachen Wiese in der Nähe von Schloss Strünkede begnügen. Tore auf der damaligen Schlachthofstraße (heute Manteuffelstraße) wurden aus einfachen Holzlatten oder Rohren zusammengezimmert, damit im Februar 1905 gegen den Essener Verein BV Steele 03 das erste Spiel der Vereinsgeschichte durchgeführt werden konnte. Im Laufe der Zeit wurde der Sportplatz immer weiter ausgebaut, aber natürlich stieß man, je populärer der Fußballsport wurde, an seine Grenzen.

In den Jahren 1919/1920 wurde, ebenfalls in der Nähe von Schloss Strünkede, ein neuer Platz errichtet, der sich allerdings nicht als sonderlich langlebig erwies. Schon nach wenigen Jahren gab es Probleme mit der Spielfläche. Die einstige Rasenfläche wich immer mehr einer „Herner Sandwüste“, die bei gegnerischen Mannschaften gefürchtet war. 1931 fasste der damalige Vereinspräsident Hermann Kracht daher den Beschluss, dass der Verein als führender Herner Fußballclub ein neues, repräsentatives Stadion errichten müsse, um weiterhin konkurrenzfähig zu sein. Nach Vertragsabschluss mit der Harpener Bergbau AG, die dem SCW das Gelände zwischen Forell- und Germanenstraße zur Nutzung überließ, wurde in den nächsten drei Jahren das Westfalia-Stadion am Schloss Strünkede inklusive Clubhaus mit Umkleideräumen erbaut, so wie wir es heute kennen.

Passenderweise hatte der SCW im Sommer 1934 den Gewinn der Westfalenmeisterschaft gefeiert und war in die Gauliga aufgestiegen, die seinerzeit höchste Spielklasse. Die offizielle Einweihung des Stadions fand am 9. September 1934 mit dem ersten Gauliga-Heimspiel gegen den FC Schalke 04 statt. Erwartungsgemäß war unsere Westfalia bei der Premiere chancenlos und verlor 0:6, denn Schalke 04 war amtierender deutscher Meister und dominierte neben dem 1. FC Nürnberg die gesamten 30er und frühen 40er Jahre über mit dem sogenannten „Schalker Kreisel“ das deutsche Fußballgeschehen.

Pläne für den Bau einer Tribüne gab es schon Anfang der 1930er Jahre, allerdings waren diese damals nicht umsetzbar. Es sollte noch über 25 Jahre dauern, bis das Stadion eine überdachte Tribüne mit 4.000 Sitzplätzen erhielt. In der Saison 1958/1959 begeisterte Westfalia Herne mit tollem und erfolgreichem Fußball und sicherte sich hochverdient die Westdeutsche Meisterschaft und damit den größten Erfolg in der gesamten Vereinsgeschichte. In der anschließenden Endrunde um die deutsche Meisterschaft – eine einheitliche Bundesliga gab es erst ab 1963 – musste der SCW seine Heimspiele unter anderem wegen des Fehlens einer Tribüne im Stadion Rote Erde in Dortmund austragen.

 

Daraufhin wurde in der darauffolgenden Saison 1959/1960 das Thema Tribüne ganz intensiv angegangen. In nur wenigen Monaten wurde die Tribüne, so wie wir sie jahrzehntelang kannten, in Rekordzeit errichtet. Obwohl der SCW diesmal „nur“ Westdeutscher Vize-Meister hinter dem 1. FC Köln wurde, nahm er nach einem 1:0-Sieg im Qualifikationsspiel in Hannover gegen Kickers Offenbach erneut an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teil – und durfte seine Heimspiele diesmal wie erhofft im heimischen Stadion am Schloss Strünkede austragen. Die Genehmigung hierzu hatte der DFB-Spielausschuss am 11. Mai 1960 erteilt.

Sogar Bundesliga-Fußball gab es im Stadion am Schloss Strünkede zu sehen. In der Rückrunde der Saison 1975/1976 trug der VfL Bochum sechs seiner Heimspiele in Herne aus, weil das eigene Ruhrstadion seinerzeit umgebaut wurde. Im Zeitraum vom 20. März bis zum 12. Juni 1976 durften die VfL-Fans besonders oft jubeln, denn fünf der sechs Gastspiele wurden in Herne gewonnen, wodurch sich die damaligen „Unabsteigbaren“ einmal mehr den Klassenerhalt sicherten. Die größte Kulisse hatte am 34. und letzten Spieltag die Partie gegen den Karlsruher SC (4:2), der 25.000 Zuschauer beiwohnten.

 

Parallel dazu gab es natürlich auch Fußball der 2. Bundesliga zu sehen, denn unsere Westfalia spielte von 1975 bis 1979 in der 2. Bundesliga Nord. Neben großen Heimspielen im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern und den 1. FC Köln sticht aus dieser Zeit das Zweitliga-Duell mit Borussia Dortmund am 18. Januar 1976 heraus, das 27.000 Zuschauer sahen.

Der Zuschauerrekord für das Stadion am Schloss Strünkede wurde am 28. Mai 1960 aufgestellt, als der SCW sich in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft vor 38.000 Zuschauern dem Hamburger SV mit 3:4 geschlagen geben musste.

Das vorerst letzte Spiel vor größerer Kulisse fand am 9. September 2006 statt, als unsere Westfalia als amtierender Westfalenpokal-Sieger in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals dem damaligen Zweitligisten Erzgebirge Aue vor 10.000 Zuschauern knapp mit 1:2 unterlag.

Unser Stadion hat sich aufgrund seines nostalgischen Charmes aber zu einer wahren Pilgerstätte für Groundhopper entwickelt, die aus ganz Deutschland und zum Teil dem benachbarten Ausland anreisen, um noch einmal ein Fußballspiel in einem Umfeld zu sehen, so wie es in den modernen Mehrzweckarenen der Bundesligisten schon lange nicht mehr vorhanden ist.

Im Laufe der Jahrzehnte gab es zahlreiche Umbauarbeiten im Stadion, beispielsweise wurde 1976 im Zuge des Bochumer Bundesliga-Gastspiels eine Sanierung durchgeführt. Im Bereich der Stehränge wurde die Kapazität durch zusätzliche Reihen zunächst aufgestockt, später aber wieder zurückgebaut.

2017 erfolgte ein weitreichender Einschnitt, als der Naturrasen bei Umbauarbeiten einem Kunstrasen weichen musste. Auch die Laufbahn der Leichtathleten wurde entfernt, dafür kamen eine Aufwärmfläche und ein Kleinspielfeld für den Nachwuchs hinzu. Außerdem sind durch den Umbau nun auch Flutlichtspiele möglich. Am 22. Juni 2018 fand die feierliche Übergabe durch Hernes Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda statt. Nach ein paar vorangegangenen Jugendspielen trat die erste Mannschaft des SCW erstmals am 7. Juli 2018 in einer Partie gegen den 1. FC Kaan-Marienborn auf heimischem Kunstrasen an.

 

Die überdachte Tribüne musste ab dem 22. Juni 2024 auf Anordnung der Stadt für Zuschauer gesperrt werden, nachdem zuvor bei einer Überprüfung durch den TÜV Mängel festgestellt worden seien. Zum einen ging es um die Statik, zum anderen um eine mögliche Asbest-Belastung der Tribünenwände. Trotz unterschiedlicher Gutachtens-Ergebnisse beschloss die Stadt Herne den Teil-Abriss der Tribüne, der im Sommer 2025 vollzogen wurde. Die Außenwände und das Dach wurden vollständig entfernt, übrig blieben nur die nun ungeschützten Holzbank-Sitzreihen. Aus Sicherheitsgründen ist auch die Nutzung der verbliebenen Sitz-Tribüne nicht mehr möglich, zumal diese witterungsbedingt immer weiter verfällt. Für eine mögliche neue, deutlich kleinere Tribüne wurden verschiedene Modelle seitens der Stadt Herne vorgeschlagen, die Realisierung eines solchen Modells ist aber weiterhin vollkommen offen, zumal auch die Finanzierung ungeklärt ist.

Durch den Wegfall der Tribüne wurde der Verein empfindlich getroffen. Da es keinerlei überdachte Sitzmöglichkeiten mehr gibt, sind die Zuschauerzahlen bei Heimspielen seither deutlich zurückgegangen, was wiederum zu erheblichen Einnahmeverlusten geführt hat.

Aus Sponsoring-Gründen wurde erstmals 2010 der Versuch unternommen, die Namensrechte des Stadions zu veräußern, um dadurch zusätzliche Einnahmen zu generieren. Im Laufe der vergangenen Jahre erhielt das Stadion am Schloss Strünkede somit unterschiedliche Namen. Diese lauteten TREL RuhrpottArena, ABISOL-Arena, GermanFLAVOURS Park, Real-Arena und Polygonvatro-Arena, aktuell heißt das Stadion EDEKA Koch-Sportpark.

Autor: Ralf Jelitto

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